verbundene Eheringe

Am Ende führt der Weg wieder zusammen

In meinem Beitrag zu unserer Auszeit auf Hof Hardthöhe habe ich es bereits erwähnt. Das letzte Jahr war für uns als Familie kein leichtes Jahr. Ich möchte euch erzählen was passiert ist und wie wir versuchen unseren Umgang damit zu finden.

Heute vor einem Jahr ist nur drei Tage nach seinem 70. Geburtstag mein Schwiegervater verstorben. Rückblickend weiß ich, dass dieses Ereignis eine Lawine in Gang gesetzt hat, deren Ausmaß damals keiner ahnen konnte.

Mein Schwiegervater war vom Leben sehr gezeichnet: In jungen Jahren hatte er einen schweren Unfall mit einem Lkw, welchen er nur knapp überlebte und dessen Folgen ihn sein Leben lang begleiteten. Seine erst Frau hat er durch einen Autounfall verloren, da war Stefan gerade 8 Jahre alt. Der Kontakt zu seiner Tochter war abgebrochen. Und auch seine zweite Frau verstarb vor ihm. Er selbst durchlebte immer wieder Krankheiten und Operationen, die ebenfalls ihre Spuren hinterließen. Und so ist es sicherlich nicht verwunderlich, dass er dem Leben nicht mehr viel Positives abgewinnen konnte.

Wir hatten die Hoffnung, dass ihm unsere Gegenwart und die der beiden Mädels aus diesem Tal herausholen könnte. Wer kann schon Kinderlachen widerstehen? Daher sind wir zu ihm ins Haus gezogen und haben ihm die Dachgeschoss-Wohnung hergerichtet und uns selbst die untere Etage renoviert. Wir haben uns ein kleines Idyll geschaffen und kurz nach dem Einzug kam unsere Kleine auf die Welt.

Leider mussten wir feststellen, dass auch Kinderlachen nicht alle Wunden heilen kann. Für den Schwiegervater blieb – bis auf beim Thema Fußball – alles negativ. Er konnte sich am Leben nicht mehr erfreuen. Für das, wie wir unser Leben lebten – z.B. dass wir ein zweites Kind bekommen haben oder wie wir unsere Wohnung und den Garten herrichteten – hatte er kein Verständnis. Egal was es war, sein Weltbild passte nicht zu unserem Weltbild und so prallten immer wieder zwei Fronten aufeinander. Ich als Schwiegertochter konnte mich zurückziehen. Stefan als sein Sohn ist immer wieder auf Konfrontation gegangen. Am Ende lebten wir – obwohl wir gemeinsam in einem Haus lebten – jeder sein Leben. Nur ab und zu schnackten wir mal im Garten bei einem Glas Bier oder grillten gemeinsamen wenn meine Eltern zu Besuch kamen. Irgendwie waren wir eher wie Nachbarn denn Familie.

Doch er war nun mal der Vater. Und sein Tod machte Stefan schmerzlich klar, dass er das letzte Stück Familie war, dass er neben mir und den Kindern noch hatte. Denn dem Vater zu Liebe hatte auch Stefan den Kontakt zu seiner Schwester abgebrochen. Stefan und sein Vater haben sich beim letzten Treffen gestritten – wie so oft zuvor schon. Doch wenn es das Letzte ist, was du mit einem geliebten Menschen tust, dann musst du das erstmal verarbeiten…

Hinzu kam, dass nun auch offen war, wie es mit dem Haus weitergehen würde. Finanzielle Ängste und die ganzen Erbschaftsangelegenheiten waren neben der Trauer eine große Belastung. Während Stefan sich immer mehr zurückzog, preschte ich immer weiter vor. Die Mädels teilten sich ein Zimmer, was zu immer mehr Konfliktpotential bei den beiden führte. Daher wollte ich ihnen schnellstmöglich zwei getrennte Zimmer einrichten. Ich merkte dabei nicht, dass Stefan noch nicht so weit war.

Und so überforderte ich ihn mit meinen Plänen und dem Tempo. Und während wir die Zimmer oben für die Mädels ausbauten kam der nächste Schlag: Wir mussten das gesamte Dach neu decken. Kosten und Aufwände, die wir so nicht kalkuliert hatten und die den Druck nicht gerade verringerten. Pünktlich zur Einschulung war alles fertig. Und wir mit den Nerven auch.

Doch es hörte nicht auf: Die Einschulung sollte eigentlich einer der schönsten Tage für unsere Große werden. Doch leider wurde sie zu einer großen Enttäuschung. Sie kam nicht mit ihren beiden Kindergartenfreundinnen in eine Klasse, sondern “nur” mit den drei Jungs aus ihrem Kindergarten. Und dann stand vor der Klasse keine Lehrerin, sondern ein Lehrer. Dazu muss man wissen, dass unsere Große sehr genaue Vorstellungen von Dingen und Ereignissen entwickelt und dann nur schwer damit umgehen kann, wenn diese Vorstellungen nicht ein- oder zutreffen. Tagelang hat sie geweint, wollte nicht mehr in die Schule, auf die sie sich so sehr gefreut hatte und klammerte sich schreiend an mich, wenn ich sie zur Schule brachte. Es riss mir das Mama-Herz heraus. In dieser Zeit habe ich viel mit ihr geredet und gekuschelt. Und irgendwann hat sie sich damit arrangiert. Vielleicht erzähle ich euch das alles mal in einem separaten Beitrag ausführlicher.

Doch ohne dass wir es wirklich merkten, sorgte dieser Druck dafür, dass wir uns auseinanderlebten. Jeder von uns ging seinen Weg für sich, machte Dinge mit sich selbst aus. Wir redeten nicht mehr darüber, was uns beschäftigte und sorgte, sondern stritten uns darüber, wie wir die Dinge angingen, warum das Glas auf der Spülmaschine steht und nicht gleich weg geräumt wurde, warum schon wieder ein Päckchen kam, warum sich der andere nicht auch mal um die Geburtstagsgeschenke der Mädels kümmern konnte… Kurz es gab nur noch Vorwürfe und der Tonfall war laut und kühl.

Und dann gab es da Menschen, bei denen ich meine eigenen Probleme ausblenden konnte. Die nicht an mir “herumkritisierten”. Mit denen ich Zeit genießen konnte. Die mir gut taten. So zog ich mich immer mehr von Stefan zurück und öffnete mich immer mehr anderen Menschen gegenüber. Und fast wäre es bei einem bis dahin guten Freund zu weit gegangen. Wir alle sind mit einer kalten Dusche aufgeweckt worden, bevor wir uns tatsächlich verbrannt haben. Aber natürlich konnte die Dusche den Graben nicht gleich wieder ebnen. Und so arbeiten wir derzeit daran, dass wir wieder zusammenfinden. Und ich finde, wir sind auf dem besten Weg!

Kurz vor Weihnachten sind meine Eltern in den Nachbarort gezogen. Und das ist eine Erleichterung, welche wir seit 7 Jahren nicht mehr hatten. Seit 7 Jahren waren wir nämlich quasi Vollzeiteltern mit Job. Wir hatten keinerlei Zeit als Paar mehr – kein Kino, kein gemeinsames Essengehen und wenn wir abends auf dem Sofa saßen waren wir zu müde. Auch Stefans Arbeitszeiten waren für gemeinsame Abende nicht förderlich, denn er muss mit den Kindern ins Bett, da er nachts wieder aufstehen muss. Somit hatten wir weder tagsüber noch abends Paarzeit. Seit meine Eltern hier wohnen können wir uns diese Auszeiten wieder nehmen. Aber ihr könnt es euch vielleicht nicht vorstellen: Man muss tatsächlich wieder lernen etwas mit sich anzufangen, was mal nichts mit Kindern, Haushalt und Ähnlichem zu tun hat.

Zwischenzeitlich hat sich auch alles rund um das Haus und Erbe geklärt. Wir können unser zu Hause jetzt ohne finanzielle Ängste genießen. Stefan hat wieder Kontakt zu seiner Schwester und unsere Mädels haben ihre Tante schon ins Herz geschlossen.

Die wichtigste Veränderung wie ich finde ist aber, dass wir wieder miteinander reden. Und zwar ohne Vorwürfe oder lautem Ton. Ganz ruhig. Wir hören zu. Wir antworten. Und wir finden Lösungen. Und wir zeigen uns durch die kleinen Gesten im Alltag wieder, wie wichtig wir uns sind: ein Blumenstrauß zum Wochenende, eine Nachricht auf dem Handy am Morgen, ein Kuss zwischendurch, Händchenhalten beim Spazierengehen, eine Umarmung beim Küche aufräumen…

Und so gehen wir unseren Weg – heute wieder gemeinsam!

Herzlichst, eure Doreen

 

Und nun interessiert mich: Habt ihr mit eurem Partner schon ähnliches Durchlebt? Wie seid ihr damit umgegangen? Wie habt ihr den Weg herausgefunden?

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