Trauriges Mädchen

Ich bin ratlos…

Normalerweise erwartet ihr an dieser Stelle eigentlich unseren Wochenend-Rückblick. Aber heute habe ich dafür keine Gedanken. Seit einigen Wochen “kämpfen” wir schon mit starken Gefühlsausbrüchen unserer Großen. Nach einem sehr heftigen Ausbruch heute beim Einschlafen fühle ich mich gerade einfach nur ausgebrannt.

Dieses Bild zeigt selbstverständlich nicht unsere Tochter, sondern ist bei shutterstock.com erworben.

Die gesamten Sommerferien waren geprägt von heftigen Wut- und Zornesausbrüchen unserer Großen. Mal wünschte sie sich ihre “Scheiß-Kacka-Schwester” weg, mit der sie sich das Pferd im Urlaub teilen musste. Mal war ich eine blöde Kuh, weil ich beim Putzen die Stifte nicht in der richtigen Reihenfolge auf den Tisch zurückgelegt hatte. Und mal wünschte sie sich eine andere Familie, weil keiner mit ihr ein bestimmtes Spiel spielte. Das sind nur einige Beispiele unzähliger Anlässe, bei denen sie ihrer Wut freien Lauf lies.

Neben der nicht tragbaren Wortwahl und Beschimpfungen, war vor allem die Intensität und Wut der Ausbrüche, das Geschrei und stellenweise auch die körperliche Aggression sehr erschreckend. Sobald der Ausbruch vorbei war, war alles wieder vollkommen in Ordnung. Von einer Minute auf die andere hat sie sich wieder angekuschelt und beteuert, dass wir die liebsten Menschen auf der Welt seien. Meistens hat sie sich sogar entschuldigt und dann ist sie zur Tagesordnung übergegangen und es war, als wäre nichts gewesen.

Dieses Verhalten machte Stefan und mich bereits sehr nachdenklich und wir haben überlegt, wie wir dem begegnen und damit umgehen wollen. Dann habe ich den Blogbeitrag der lieben Claudi vonWAS FÜR MICH entdeckt und hatte plötzlich eine mögliche Erklärung – die Wackelzahnpubertät. Alles, was sie beschrieb kannte ich irgendwo her… Wenn etwas einen Namen hat, dann wird es verständlicher und greifbarer. Aber alles Verständnis reicht leider gerade nicht.

Noch vor einer Woche war ich überzeugt, dass es reicht, wenn ich mich coachen lasse, wie ich mit diesen Situationen besser umgehen kann. Ich wollte meine immer wieder gleichen oder zumindest ähnlichen Reaktionsmuster durchbrechen und mir neue Impulse von Außen holen, wie ich besser reagieren kann. Ich habe mich umgehört und mir mögliche Ansprechpartner geben lassen. Und jetzt sitze ich hier und bin mir nicht sicher, ob dies wirklich ausreichend wäre. Immer mehr sagen uns unsere Herzen, dass unsere Große mit den Ausbrüchen nach Hilfe schreit. Sind ihre Ausbrüche nicht viel mehr Verzweiflung statt Wut?

Heute Abend ging der Wutausbruch von über einer halben Stunde darum, dass ihr Kissen nicht richtig lag. Das Problem: Sie wusste selbst nicht mehr, wie das Kissen richtig liegen würde. Sie schrie und weinte, dass das Kissen aber richtig liegen müsse, sonst könne sie nicht einschlafen. Es half nicht ihr gut zu zureden und zu erklären, dass das Kissen heute nicht genau so wie gestern liegen könne. Es half nicht zu versuchen, die “richtige” Position des Kissens zu finden. Erst nachdem ich sie ganz fest in die Arme genommen und ihr angefangen habe den Arm zu streicheln und die Gute-Nacht-Geschichten zu erzählen, hat sie begonnen sich zu beruhigen und ist dann eingeschlafen. Auf dem Kissen – in der “falschen” Position.

Es hat uns das Herz gebrochen! Wie verzweifelt muss sie gewesen sein? Und wir können sie scheinbar weder verstehen, noch ihr helfen. Doch sind wir nicht eigentlich genau dafür da? Wir sind doch ihre Eltern: Wenn jemand sie verstehen kann, dann sollten doch wir das sein! Und wenn jemand weiß, wie er ihr helfen kann, dann sollten das doch auch wir sein! Aber warum können wir es dann nicht?

Entschuldigt, wenn manche Gedanken in diesem Beitrag nicht ganz nachvollziehbar oder sauber formuliert und erst recht nicht zu Ende gedacht sind. Ich habe mir einfach nur alles von der Seele geschrieben – ohne Rat oder Lösung.

Jetzt lass ich meiner Verzweiflung freien Lauf; nachher trockne ich meine Tränen und morgen suche ich uns Hilfe!

Herzlichst, eure Doreen

 

 

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