40. Geburtstag

Was am 40. Geburtstag so besonders ist

Heute ist mein 40. Geburtstag. Kein runder Geburtstag hat mich bisher so nachdenklich und emotional sein lassen wie dieser. Daher möchte ich euch heute an meinen Gedanken teilhaben lassen…

Als ich meinen 30. Geburtstag feierte, da war es ein Geburtstag, wie jeder andere auch. Doch heute, bei meinem 40. Geburtstag, ist das ganz anders. Meine Emotionen schwanken von Stolz und Freude bis hin zu Zweifeln und Traurigkeit. Aber warum ist das so? Ich bin doch heute genau genommen nur einen Tag älter als gestern! Und doch ist so ein runder Geburtstag immer auch ein Blick zurück über das Erreichte und ein Ausblick in die Zukunft und die Erwartungen daran. Genau da liegt der Unterschied zum 30. Geburtstag:

Mit 30 war ich noch auf meinem Weg, der immer nur bergauf ging. Beruflich hatte ich mehr erreicht, als ich mir erhofft hatte. Ich war Leiterin eines kleinen Teams und konnte mit ihm zusammen einen wichtigen Fachbereich in unserem Unternehmen gestalten und verantworten. Nebenbei habe ich ein Jahr berufsbegleitend in der Schweiz studiert und erfolgreich als “Diplom Betriebsökonomin SGMI” abgeschlossen. Auch privat war ich auf der Überholspur: Ich hatte meine große Liebe gefunden und wir haben traumhaft romantisch geheiratet. Balou – ein Golden-Retriever-Rüde – machte unser Glück und unsere kleine Familie vollkommen. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich nie Zweifel gehabt hätte. Aber meine Erfolge zeigten mir, dass ich auf dem richtigen Weg war.

Mit 40 nun blicke ich zurück und muss feststellen, dass es nicht mehr nur bergauf ging. Ein großes Glück und doch zeitgleich auch eine große Veränderung war die Geburt unserer Großen. Ich hätte mir bis dahin nicht vorstellen können, wie viel Liebe man für einen einzigen Menschen empfinden kann. Unsere Große war ein fantastisches Baby und machte uns viel Freude. Nach einem dreiviertel Jahr habe ich wieder begonnen zu arbeiten – zunächst mit 16 Stunden und als unsere Große ein Jahr alt war mit 30 Stunden. Ich hatte weiterhin die Teamleitung und es fiel mir nicht schwer Beruf und Familie miteinander zu vereinen.

Da lag es nur nahe, dass wir uns bald für ein zweites Kind entschieden. Direkt nach meiner Information meines Arbeitgebers über die Schwangerschaft wurde mir mitgeteilt, dass ich die Teamleitung nicht länger in Teilzeit ausüben könnte, sondern dies eine Vollzeitstelle wäre. Somit wurde ich – zum Glück ohne Veränderung meiner sonstigen Konditionen – zur Managerin “herabgestuft”. Die Freude über unsere zweite Schwangerschaft überwog und so war ich mir des Ausmaßes dieser Entscheidung noch gar nicht bewusst. Zeitgleich konnten wir in das Elternhaus von Stefan ziehen. Während der zweiten Schwangerschaft haben wir somit unsere Etage im Haus komplett renoviert. Ich habe die zweite Schwangerschaft daher nicht annähernd so schön zelebriert wie die erste. Als unsere Kleine dann auf die Welt kam war unser Glück vollkommen! Ich werde nie den Moment vergessen, als unsere Große die Kleine zum ersten Mal gesehen hat. Dieses Strahlen… Die ersten Monate waren wundervoll und wir alle haben diese gemeinsame Zeit sehr genossen.

Nach einem Jahr bin ich direkt mit 30 Stunden wieder in den Job eingestiegen. Leider hatte sich nicht nur meine Position geändert. Mit einem Vorgesetztenwechsel war mein Aufgabengebiet nur noch ein Bruchteil dessen, was ich zuvor verantwortet hatte. Plötzlich schien mein KnowHow nicht mehr gefragt und ich war mit Aufgaben bedacht, die mich komplett unterforderten. Das war eine völlig neue Situation für mich. Ich zweifelte an meinen Stärken und Fähigkeiten. Ich hinterfragte das zuvor Erreichte. Ich war gefrustet von der permanenten Unterforderung. Beruflich fiel ich so zunächst in ein großes Loch und meine zuvor stark ausgeprägte Eigenmotivation schien erloschen.

Inzwischen sieht das nicht mehr so dramatisch aus. Meine Aufgaben sind wieder herausfordernder geworden. Aber noch immer rufen sie nicht meine tatsächlichen Potentiale und Stärken ab. Immerhin bin ich mir meiner Stärken inzwischen durchaus wieder bewusst. Mir ist auch klar geworden, dass ich nicht jede Entscheidung meines Umfeldes – gerade des beruflichen – persönlich nehmen muss. Dennoch habe ich mich beruflich noch nicht wieder gefunden. Der Blog ist als Hobby ein Schritt in diese Richtung. Auf ihm kann ich all meine Stärken ausleben; ich kann ihn nach meinen Vorstellungen gestalten und ich kann sehr viel lernen und mich weiterentwickeln. Aber auch mit dem Blog bin ich immer wieder unsicher: Ist es der richtige Weg? Bräuchte ich nicht eigentlich viel mehr Zeit für den Blog? Sollte ich mich nicht mehr auf meinen Job und meine berufliche Weiterentwicklung konzentrieren?

Neben all den beruflichen Herausforderungen hatten Stefan und ich auch große Probleme in unser Beziehung. Hierauf möchte ich an dieser Stelle nicht näher eingehen, da ich in diesem Beitrag schon ausführlich darüber geschrieben habe. Diese Geschehnisse haben – trotz gutem Ausgang – natürlich ihre Spuren hinterlassen und begleiten uns bis heute. Wir arbeiten jeden Tag daran, dass wir uns als Paar nie wieder so verlieren. Denn wenn mir dies alles eines gezeigt hat, dann dass Stefan mein Deckel ist!

Die größten Sorgen und meisten Gedanken macht mir aber meine Rolle als Mutter. Ich bin sicherlich keine perfekte Mutter. Diesen Anspruch habe ich inzwischen auch gar nicht mehr. Aber ich möchte eine gute Mutter sein. So wie sicherlich jede andere Mutter auch. Um so mehr schmerzt es mich immer wieder, wenn ich scheinbar scheitere. Wenn es mir nicht gelingt, ganz ruhig und souverän in eskalierenden Situationen zu reagieren. Wenn es mir nicht gelingt, meine Mädels so anzunehmen, wie sie sind. Wenn es mir nicht gelingt, die Hintergründe für das Verhalten der Großen zu finden. Wenn es mir nicht gelingt, die “richtige” Reaktion auf ein bestimmtes Verhalten zu zeigen. Wenn es mir nicht gelingt, Auswege zu finden…

Ja, ich muss es zugeben: So sehr ich meine beiden Mädels liebe, bei uns ist nicht nur Harmonie. Die Geschwisterliebe, von der so viel auf anderen Blogs berichtet wird, weicht leider allzu oft Streitereien. Beide Mädels stehen in einem ständigen Wettbewerb zu einander. Unsere Große verfügt nicht über die so viel in anderen Blogs geschriebene Empathie. Sie kann sich nur schwer in die Bedürfnisse und Gefühle anderer hineinversetzen. Das führt leider immer wieder dazu, dass sie mit ihren Worten jemanden aus der Familie verletzt. Ich möchte mich an dieser Stelle nicht in Hypothesen ergehen, wo die Ursachen liegen könnten. Glaubt mir, wir haben uns in den letzten Wochen sehr viele Gedanken dazu gemacht. Und selbst wenn wir wüssten, wo genau die Ursache liegt, so fehlt uns dennoch der Ausweg – unsere “richtige” Reaktion. Ich bin inzwischen überzeugt, dass wir – allen voran ich – hierfür professionelle Unterstützung brauchen. Jemanden, der uns neue Impulse und Denkanstöße gibt, der unser Denken und Handeln in andere Bahnen lenkt.

In diesem Zusammenhang und auch den Problemen im ersten Schuljahr überlege ich immer wieder, wie viel Geld und Sicherheit ich bereit bin aufzugeben, um mehr Zeit mit der Familie verbringen zu können. Ich finde es einen Hohn, wenn Politiker davon sprechen, dass es Müttern ermöglicht werden muss, dass sie jederzeit von Teilzeit wieder auf Vollzeit wechseln können. Ich möchte das gar nicht. Ich möchte statt dessen eigentlich noch viel mehr Zeit mit der Familie verbringen. Aber andererseits würde dies erhebliche finanzielle Einbußen bedeuten und wir müssten unseren heutigen Lebensstandard entsprechend anpassen. Sind wir dazu bereit? Bin ich dazu bereit? Würde es uns – würde es mich – glücklicher machen?

So blicke ich heute an meinem 40. Geburtstag zurück auf turbulente Tage, die noch so manche “Baustelle” für die Zukunft gelassen haben. Und die Ungewissheit, wie wir sie meistern werden, macht mir Sorgen. Gleichzeitig bin ich so unfassbar stolz auf unsere beiden Mädels, unsere Familie und den Weg, den wir bisher gemeinsam zurückgelegt haben. Ich wünsche mir zu meinem Geburtstag nichts mehr, als dass wir als Familie unseren Weg weitergehen werden – mit Höhen und Tiefen, aber immer zusammen!

Herzlichst, eure Doreen

 

Und nun interessiert mich: Sind runde Geburtstage für euch etwas Besonderes? Sind sie für euch emotional oder eher “einfach nur” Geburtstage?

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